Blog

Abbildung aus "Tante NonNon", © 2019 Reprodukt / Mizuki Productions
10.02.2020

Dämonen, Monster und Gespenster

In einer japanischen Hafenstadt zu Beginn der 1930er Jahre verbringt der etwa zehn Jahre alte Shigeru seine Zeit widerwillig mit Kinderbandenkämpfen. Nachts entflieht er mit Hilfe von Zeichenstift und Papier in wundersame Phantasiewelten. Den Stoff dafür liefert ihm eine alte Frau aus der Nachbarschaft, die er liebevoll Tante NonNon nennt: Sie erzählt auf Schritt und Tritt Geistergeschichten, wenn es irgendwo raschelt, knackt oder klappert.

Als Tante NonNons Mann plötzlich stirbt, kann diese sich nicht mehr selbst versorgen. Shigerus Eltern nehmen sie zu sich; für Kost und Logis erledigt sie Hausarbeiten und kümmert sich um den künstlerisch begabten, aber in der Schule weniger fleißigen Shigeru und seine beiden Brüder.

Shigeru Mizukis Comic Tante NonNon ist geprägt von liebevollem Ton, auch wo es um bestürzende Ereignisse geht wie den Tod von Kindheitskameradinnen oder den Verkauf eines Nachbarmädchens an ein Geisha-Haus. Auch die Figuren des Buchs sind auf eine liebenswerte Art überzeichnet, allen voran Tante NonNon mit ihren riesigen, von Falten umringten kreisrunden Eulenaugen, schnabelartig geschürztem Mund und kleinem Dutt auf dem runden Kopf.

Im Gegensatz zu den Figuren sind die Hintergründe und Dekors eher realistisch gehalten und erinnern in ihrer Ästhetik an japanische Holzschnitte. Da stapft zum Beispiel NonNons Mann in traditionellem Wintergewand und Hut mitten durch einen dunkel schraffierten Winterabend, helle Flocken fallen und auf den Dächern liegt Schnee. Um den erschöpften Mann, der um Almosen bittet, sind weiße Soundwörter wie Strahlen angeordnet - nur ein Beispiel dafür, wie schön die Soundwörter hier in die Grafik eingebunden sind.

Shigeru Mizuki zählte zu Japans wichtigsten Mangaka. Der 2015 gestorbene Zeichner und Autor hat sich einerseits mit Comics über die Zeit des zweiten Weltkriegs einen Namen gemacht. Eine andere Facette seines Werks sind von der japanischen Kultur entsprungenen Dämonen, Monstern und Gespenstern bevölkerte Geschichten. Wie es zu dieser Inspiration kam, davon erzählt Mizukis Comic Tante NonNon, der im Original 1977 erschienen ist.

Shigeru Mizuki: Tante NonNon, ÜS: Daniel Büchner, Reprodukt, 416 S., 20 EUR

Abbildung aus "Tante NonNon", © 2019 Reprodukt / Mizuki Productions

Dieser Text ist erschienen im Bonner Stadtmagazin Schnüss, Ausgabe 02/2020